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18.01.2018 Quelle: Mitteldeutsche Zeitung

Grogfahrt in Prettin Wellenritt mit Rückenwind für Paddler

Es gehört viel Enthusiasmus und Liebe zum Wasser dazu, sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit dem Kanu auf die Elbe zu begeben. Mehr als 50 Wasserwanderer gingen am Wochenende das Wagnis ein, einer Einladung der Wasserwanderfreunde Prettin folgend.
Der Wind pfiff gehörig aus östlicher Richtung. Wer immer konnte, hütete am Samstagmorgen daher das Haus, machte es sich mit einer Tasse Tee am Ofen gemütlich. Für 55 Wasserwanderer war das aber keine Alternative. Sie zogen es lieber vor, sich mit Gleichgesinnten am Fähranleger Belgern zu treffen und im Verlaufe der 28. Grog-Fahrt von hier aus auf der Elbe gen Prettin zu paddeln.
Um die Boote nach Riesa oder Belgern zu bringen, kooperierten die Wasserwanderfreunde Prettin mit der Freiwilligen Feuerwehr Prettin. Die zeigte sich dafür verantwortlich die langen, schmalen Kanus an den entsprechenden Startort zu bringen. Auch für den Kanutenball stellten die Kameraden ihren Bus als Shuttle zur Verfügung.
Organisiert wurde diese Fahrt traditionell von den Wasserwanderfreunden Prettin. „Wintertouren sind eher selten, viele Paddler legen ihren Schwerpunkt für Ausfahrten auf den Sommer. Das mag ein Grund sein für das rege Interesse an der Veranstaltung. Ein weiterer ist natürlich unsere Herzlichkeit“, hob Prettins Vereinsvorsitzender Heiko Kämpfe hervor.
Zu dieser Höflichkeit gehörte neben anderem, dass jeder Teilnehmer mit einem heißen Becher Glühwein auf die Reise geschickt wurde. „In der Gemeinschaft spürt man die Kälte kaum“, betonten Antje und Wolfram Görlitz. Das Ehepaar aus Schwedt an der Oder nahm zum fünften Mal an der Grog-Fahrt teil, die auf den Seiten des Deutschen Kanusportverbandes ausgeschrieben war.
Zur Elbe pflegen beide ohnehin eine besondere Beziehung. „Beim Paddeln auf dem Fluss haben wir uns vor langer Zeit kennen und lieben gelernt“, sagte Wolfram Görlitz, der dem Kanusport seit 1967 treu ist.
Auch Ulrich Thorhaus aus Lübbenau machte sein Boot am Samstag startklar. „Für mich ist das der ideale Ausgleich zum stressigen Alltag“, so der 57-jährige Berufsschullehrer.
Sichtlich fit zeigte sich Uwe Laqua aus Köthen. Mit 74 Jahren zählte er zu den ältesten Teilnehmern der Ausfahrt. „Ich muss mich bewegen, das hält jung“, bekannte er mit einem Augenzwinkern und fügte an, dass er ansonsten zu dieser Jahreszeit mit Vorliebe auf Skiern unterwegs ist. „Diese Ruhe auf dem Fluss, die verschlafene Winterlandschaft, das tut der Seele gut“, fügte er an, bevor er sein Kanu ins Wasser schob und die 30 Kilometer bis Prettin absolvierte.
Ein kurzer Zwischenstopp mit vorbereitetem Mittagstisch in Torgau und der abendliche Kanutenball rundeten für alle Teilnehmer die Tagesetappe ab. Einige von ihnen waren tags zuvor bereits von Riesa nach Belgern gepaddelt, etwa die Hälfte der Wasserwanderer zog es auch am Sonntag auf den Fluss.
Bei Fließgeschwindigkeiten um acht Stundenkilometer und leichtem Rückenwind war für sie an diesem Wochenende Elster das finale Ziel. Insgesamt sind sie damit 93 Kilometer gepaddelt.
„Solange das Wasser nicht gefroren ist, lässt sich unser Sport zu jeder Jahreszeit ausüben. Ein paar gute Handschuhe und warmer Tee helfen über die schlimmsten Leiden hinweg“, verdeutlichte Heiko Kämpfe mit einem Augenzwinkern.
37 Mitglieder zählt der Prettiner Verein gegenwärtig, dem Kämpfe seit vier Jahren vorsteht. Zwölf von ihnen nahmen am Wochenende an der Grog-Fahrt teil.
Um Interessenten die Chance zu geben, sich des Kanusports anzunehmen, organisieren die Wasserwanderfreunde Prettin alljährlich ein Familienfest. Wer immer möchte, kann sich in diesem Jahr am 2. Juni an der Hirschmühle Prettin einfinden, probepaddeln oder gar mit dem Zelt am Flussufer übernachten.
Zwei Monate später, am 18. August, laden die Prettiner dann zum Hirschmühlenfest ein, dessen Höhepunkt das Drachenbootrennen ist. 


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