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19.03.2018 Quelle: kanu-sachsen-anhalt.de

Helm aus Eis

Es ist Sonnabend kurz nach halb zehn, als sich Catrin Urban auf den Weg macht. Aus Osten weht ein steifer Wind. Ihm paddelt die 55-Jährige entgegen. Bei drei Grad unter Null, die Windchill liegt nochmals fünf, sechs Grad niedriger.

Urban gehört zu den 20 Männern und Frauen, die am Wochenende bei der Berg- und Talrallye der Junkers Paddelgemeinschaft gestartet sind. Das Rennen führt auf der Elbe von Dessau nach Vockerode und zurück. Offiziell ergibt das 32 Flusskilometer. Ein vor Jahrzehnten erfolgte Flussbegradigung bei Klieken verkürzt die Strecke um drei Kilometer. Bleiben immer noch 29 Kilometer zu paddeln.

Eine Handvoll Hardcore-Kanuten aus ganz Deutschland nutzt Berg und Tal seit Jahren als Start in die Marathonsaison. Angesichts des widrigen Straßenverhältnisse blieben etliche der Stammgäste weg, so dass die Dessauer einen Großteil der Starter stellten.

Urban fand erst vor zwei Jahren zur Junkers Paddelgemeinschaft. Und war noch nie die Wettkampfstrecke ohne Pause durchgefahren. „Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es hinkriege.“ Mit Andreas Weyer habe sie sich einen Mitstreiter in den Zweier geholt, „der die Kraft mitbringt“.

Im Winter zu paddeln ist nicht völlig ohne Risiko und empfiehlt sich nur für erfahrene Kanuten. Ohne Schwimmweste und ordentliche Ausrüstung würde gerade von denen niemand aufs Wasser gehen – und dürfte bei Berg und Tal nicht antreten. Mit Handys und einer Notfallnummer und der Bitte ausgestattet, aufeinander aufzupassen und sich eventuell gegenseitig zu helfen, starten die Teilnehmer im Abstand von einer Minute. Die mutmaßlich langsamsten zuerst, die schnellsten später.

Keine Rekorde
Vor zwei Jahren wurden Streckenrekorde aufgestellt: Knapp zweieinhalb Stunden für den Herren-Zweiern, nur ein Paar Minuten mehr für den Einer. Bestzeiten waren angesichts der miesen Bedingungen am Wochenende nicht zu erwarten.

Trotzdem: Die Tagesschnellsten, Reiner Wiese und Katharina Rollenbeck aus Berlin, blieben immer noch bei knapp unter drei Stunden. Am Kilometer 261,3 angekommen, trug Rollenbeck über ihrer Mütze einen Helm aus Eis, ihr Paddel dürfte während der Fahrt durch gefrorenes Wasser deutlich an Gewicht zugelegt haben. Ihr war das egal – sie lachte über das Bild, dass sie abgeben musste.

Ein paar Minuten später vor ähnlichen Problemen gestanden haben wie Urban – die völlig vereisten Verschlüsse der Schwimmweste ließen sich nicht öffnen. „Ich musste mich erst mal über die Heizung lehnen und auftauen.“


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